Tag 26 (Epilog): Konstanz – Mainz

  • Tourverlauf (bei Komoot): https://www.komoot.de/tour/t208761463?ref=atd
  • Wetter: Schauer bis 24°
  • Länge: 31 km (Plan); 31 km (Ist)
  • Gesamtstrecke (Ist): 1604 km
  • Dauer: 2 Stunden;
  • Höhenunterschied: 90 m (+) / 70 m (-)
  • Highlights: Letzter Blick auf den See, Colombi Schlössle in Freiburg

Heute war eigentlich geplant, die Rückfahrt mit der Bahn nach Freiburg und dann weiter mit dem Auto nach Hause zu machen. Da wir nun aber mit der ganzen Familie den 30. Geburtstag von Sebastian feiern wollten, hatten wir als Zielort für den Epilog Mainz/Wiesbaden festgelegt. Und da uns die Umsteigezeit in Singen zu kurz erschien, waren wir direkt mit dem Rad zum Singener Bahnhof gefahren.

Fahrradgarage des Hotels: Eine tolle Sache – wenn der Schlüssel nicht wäre…

In der Nacht hatte es schon geregnet und auch auf der letzten Etappe sahen wir uns kleineren und größeren Schauern ausgesetzt. Dennoch waren wir pünktlich am Bahnhof und konnten die Räder bequem im Regionalexpress nach Basel verstauen. Das Umsteigen in den Intercity von Basel nach Freiburg war weniger komfortabel, da die reservierten Rad-Stellplätze sehr weit von den reservierten Sitzplätzen entfernt waren und wir nicht verstanden hatten, wie man die Räder überhaupt unterbringen soll. Also hier für künftige Fälle: Die Räder müssen komplett entladen werden und auch die Akkus sollte man entfernen. Dann kann man ein Rad mit vereinten Kräften mit dem Vorderrad an einem Deckenhaken aufhängen, wobei das Hinterrad in einer abgeklappten Kralle fixiert wird. Alles klar?

Ein feuchter Abschied vom See…

Da wir das System erst durchschauten, als wir ein anderes Rad hängen sahen und die Fahrtzeit auch nur sehr kurz war, ließen wir sie mit Billigung des Schaffners einfach im Vorraum stehen und stellten uns dazu (mit Maske und ohne Klimaanlage…🙄).

Auf dem Weg vom Freiburger Bahnhof zum Auto entdeckten wir noch das interessante Colombi Schössle in Freiburg…

Rennschnecke (Beim Colombi in Freiburg) – Das wäre doch ein schöner Spitzname für mein Rad…😊

…und wir entdeckten den noch interessanteren Schlüssel der Fahrradgarage des Konstanzer Hotels, den ich erst nicht zurückgeben konnte und dann vergessen hatte. (Trotz der sportlichen Leistung der letzten Wochen: Man wird wohl doch alt…☹).

Nachdem ich den Schlüssel zurückgeschickt hatte (und danach noch einmal in die Post musste, weil ich dort das Handy vergessen hatte…(Siehe oben!) ) kamen wir endlich bei Ulrike und Karsten an, wo die Fahrradtour endgültig endete! Wir wurden noch mit Kaffee und Kuchen verwöhnt, ehe wir uns in den Wagen setzten. Es fühlte sich zwar recht komisch an, aber ich wusste tatsächlich noch, wie man ein Kraftfahrzeug führt…😉

Am Ziel!!!

Fast vier Wochen auf dem Rad und 1600 km liegen nun hinter mir und es ist Zeit ein Fazit zu ziehen. Hat sich das erfüllt, was ich mir von diesem lang ersehnten und geplanten Projekt erhofft hatte…?

Zunächst einmal muss ich dankbar sein, dass ich nie die SOS-Funktion meines Helms ausprobieren musste und dass ich gesund geblieben bin. Schon ein kleiner Infekt hätte in dieser Corona-Zeit den Abbruch bedeuten können, da ich kein Hotel und kein Restaurant hätte betreten dürfen.

  • Wetter: Es begann verheißungsvoll, dann überwogen Tage mit grauem Himmel und viel Gegenwind. Erst zum Schluss gab es perfektes Kaiserwetter, so dass ich wenigstens einen Sonnenbrand als Souvenir nach Hause bringen kann.
  • Ausrüstung: Bis auf einen latenten Mangel an Unterwäsche war die Ausrüstung ideal für die Tour geeignet. Der sprechende Helm erleichterte das Navigieren, die Regensachen (Schöffel, Mamoth) hielten dicht. Die Radtaschen (Vaude) waren robust, flexibel und leicht zu handhaben. Und schließlich mein Stevens-Rad: Ich war ja von dem Rad schon nach der ersten Probefahrt überzeugt. Und nach dieser Tour bin ich es noch mehr. Es ist absolut stabil auf allen gefahrenen Untergründen, die Unterstützung ist jederzeit ausreichend und auch der Sattel hat keine Probleme gemacht. Der 500er Akku war sowohl für die langen, als auch für die steilen Etappen ausreichend.
  • Planung: Klar hätten die Tagesetappen auch länger sein können. Aber für mich waren die durchschnittlichen 66 km völlig ok. Man konnte spontan Pausen machen oder die Zielhotels, bzw. deren Umgebung, noch mehr genießen. Die Idee, jeden Tag noch ein Museum zu besuchen, ließ sich aber nur ganz selten verwirklichen. Ich muss also die Tour wohl noch ein zweites Mal machen… 😉
  • Unterkünfte: Die vorab gebuchten Hotels hatten die Erwartungen fast durchgängig erfüllt (… bis auf ein Zimmer mit Milchglasbausteinen statt einem Fenster und einem fast rohen Frühstücksei in einem anderen Hotel…). Mit Jugendherbergen wäre die Tour auch machbar gewesen, aber ich muss sagen, dass für mich die Aussicht auf ein schönes oder besonderes Hotel immer auch die Belohnung für die Mühen des Tages war.
  • Begleitung und Begegnungen: Allein oder in der Begleitung von Freunden, bzw. Familienangehörigen. Beide Varianten habe ich sehr genossen. Es ist schön, wenn man die vielen neuen Eindrücke teilen kann. Aber ich habe es auch genossen, an manchen Tagen ohne große Abstimmung den Tag gestalten zu können. Ich danke jedenfalls allen Freunden und Mitfahrern für eine unvergessliche Zeit (Stefan und Dirk, Ute und Manfred, Ulrike und Rüdiger, Sylvia, Alexander und natürlich meiner lieben Sigrid). Darüber hinaus bot die Tour die Gelegenheit für viele Besuche (bei meinem Bruder Michael, bei Sebastian, Juliane und Felix, dem süßesten Enkel von allen, bei meiner Nichte Mareike (mit Ulli und Amelie), bei meinen Tanten Edith (mit Gerhard, Carsten und Manuela) und Gertrud (mit Reinhard) und bei Freunden*innen (Bübi in Ennepetal, Susanne in Bad Godesberg)). Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass es diese Begegnungen im Leben sind, auf die es wirklich ankommt.
  • Corona: Als Pionier des Radtourismus in Corona-Zeiten erlebte ich alle möglichen Varianten, wie man Frühstück bekommen kann ohne sich zu infizieren (von gar nicht, über servierte Komponenten gemäß vorausgefüllter Bestellliste, bis zum klassischen Buffet mit angebauter Desinfektionslösung). Auch für die Datenerhebung in Restaurants gab es vielfältige Lösungen (Von kleinen leeren Zetteln für Name und Telefonnummer, über umfangreiche Datenerhebungsformulare mit Einwilligungserklärung gemäß DSGVO, bis zu einer abgestellten Fachkraft, die die Daten von allen Gästen am Eingang aufnimmt.). Apropos Restaurants: Ich fand es überraschend, dass ich trotz der Anstrengung meist mehr Appetit auf vegetarische Gerichte oder Fisch, denn auf Fleischmenüs hatte (Unabhängig vom Tönnies-Skandal).
  • Tour: Die Fahrt war ein toller Querschnitt durch unser Land. Die vielgestaltigen Landschaften und die Tier- und Pflanzenwelt beeindruckten von der Ostsee bis zum Bodensee. Wunderschöne Städte und künstlerische Highlights überall. Aber auch Begegnungen mit der schlimmen Geschichte (KZ in Wuppertal, Bücherverbrennungsdenkmal in Bonn, Brücke von Remagen), Umweltprobleme (Klimawandel, Fichtensterben), Mängel in der Infrastruktur und beim Digitalausbau, die Schwierigkeiten der Inklusion usw..
  • Deutschland ist also ein wunderschönes und gleichzeitig „Ein schwieriges Vaterland“ (So der Titel eines wichtigen Buches aus den 70er Jahren.). Aber: Ich möchte in keinem anderen Land leben!

Würde ich die Tour also wiederholen? Auf jeden Fall! Solange die Kräfte mitmachen, möchte ich noch viele Radfernwege probieren oder neue entdecken. Und ich freue mich darauf, auch möglichst viele davon mit meiner Sigrid und mit Freunden*innen machen zu können. Also: Bleiben wir in Bewegung!

The End!

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